Liebe Pfarrgemeinde,
da im Moment in unserer Pfarrei eine Unterschriftenaktion
für die Erhaltung des Gallusheimes durchgeführt wird, möchte ich allen, die
überlegen ihre Unterschrift dabei zu leisten, Folgendes zu bedenken geben:
Der von der Gemeinde gewählte Pfarrgemeinderat hat am
23.11.2006 in einem eindeutigen Beschluss den Willen kundgetan, dass bei einem
Ankauf des Grundstücks Edelmann innerhalb der von diesem Tag an zu rechnenden
Frist von 5 Jahren, das Gemeindezentrum dort, in unmittelbarer Nähe zum
Gotteshaus, errichtet werden soll. Hiermit soll im Hinblick auf den allgemeinen
gesellschaftlichen Wandel und die sich damit verändernden Anforderungen an
Gemeindestruktur und pastorale Betreuung, unter schwieriger werdenden
Rahmen-bedingungen, der Fortbestand und die Finanzierbarkeit unserer
Gemeinderäumlichkeiten auch in Zukunft gesichert werden!
Auf dem Hintergrund dieser Beschlüsse möchte ich in
Erinnerung rufen, dass seitens des Bischöflichen Ordinariats unserer
Pfarrgemeinde, ebenso wie jeder anderen im Bistum, offiziell nur ein bestimmtes
Kontingent an Nutzfläche für Gemeinderäume zur Verfügung stehen, die von Mainz
finanziell unterstützt werden. Pro 1000 Gemeindemitglieder werden 65 m²
Nutzfläche subventioniert. Bei unserer Gemeindegröße von rund 4000 Seelen
ergibt sich also eine Nutzfläche von 260 m², die bei Sanierungsarbeiten seitens
des Bischöflichen Ordinariats zu 50 % bezuschusst würden. Das Gallusheim hat
knapp 600 m² Nutzfläche, so dass wir bei sämtlichen anstehenden
Renovierungsarbeiten nur 50 % vom Kostenanteil von
260 m², also weniger als ¼
der Gesamtkosten von Mainz bezuschusst bekommen!!!
Natürlich könnten wir versuchen, das Gallusheim in seiner
Größe auch weiterhin zu nutzen. Die Frage ist nur, wer die Kosten für die
nichtbezuschusste Fläche und die Folgekosten trägt? Das Budget, das der
Pfarrgemeinde seitens des Ordinariats zukünftig als Haushal
Sollte man den Vorschlag aufgreifen, bei der Kirche, in dem
angekauften Anwesen lediglich einen kleinen Gemeindesaal, z.B. für Kaffee nach
der Kirche, o.ä. einzurichten und das Gebäude anderweitig zu nutzen, würde uns
die Größe dieses Gemeindraumes nochmals an der, im Gallusheim von Mainz
bezuschussten Fläche abgezogen, was dort potentielle Renovierungs- und
Unterhaltungskosten für die Gemeinde nochmals erhöhen würde! Die oft angeführte
Rendite einer etwaigen Vermietung des Pfarrhauses als Wohnungen ist aufgrund
der schlecht zu vermarktenden, lauten Hauptverkehrslage als nicht so üppig
einzustufen, dass man damit auch nur annähernd die Umbaumaßnahmen des
ehemaligen Anwesens Edelmann und die am Gallusheim anstehenden
Sanierungsarbeiten, bzw. Unterhaltungskosten auffangen könnte! Sicherlich auch
deshalb ist der Vorschlag seitens des Ordinariats verworfen worden.
Die letzte größere Sanierung des Gallusheimes liegt 30 Jahre
zurück und an der tragenden, ausgemauerten Stahlskelettkonstruktion des Saales
und deren Fundamentierung, sowie dem Dachstuhl der noch älteren, ehemaligen
Nähschule der Schwestern (alter Kindergarten) wurde seit ihrer Errichtung vor
über 80 Jahren nichts mehr überprüft, geschweige renoviert! Auch haben sich die
Anforderungen an Heizungs- und Elektrotechnik, sowie Statik und Brandschutz
gerade an Versammlungs- und Veranstaltungsstätten in den letzten 30 Jahren geändert!
Im Hinblick auf die Vorfälle in Bad Reichenhall sei darauf
hingewiesen, wer denn die Verantwortung übernehmen wird, wenn ein 80 Jahre
alter Stahlbolzen im Bereich der Fundamentverankerung der Stahlkonstruktion des
Saales, aufgrund von Rostschäden dem Lastschub nachgibt und eine Kettenreaktion
auslöst, die zum Einsturz der Hallenkonstruktion führen könnte. Vielleicht
gerade beim Kreppelkaffee der Frauen oder bei einer Veranstaltung des
Kindergartens!!! Welche Versicherung zahlt im Brandfall, wenn augenfällig
notwendige Nachrüstungsarbeiten nicht durchgeführt, oder für Fachleute
erkennbare, bereits bekannte Mängel nicht behoben wurden! Diese schwere
Verantwortung obliegt den gewählten Gremien, welche im Hinblick auf diese
Umstände sehr wohl alle Aspekte abwägen müssen und nicht leichtfertige
Entscheidungen treffen, wie dies als Vorwurf von ehemaligen Gremienmitgliedern
in der Presse zu lesen war, die ihre eigene Verantwortung diesbezüglich besser
überdenken sollten!
Berücksichtigen Sie bitte auch, dass unsere Gemeinde, ganz
gleich was sie saniert oder baut, sicherlich auch Gelände als Gegenfinanzierung
zur Verfügung stellen muss, weshalb dann ein Teil des Außengeländes am
Gallusheim auf alle Fälle zukünftig zur eigenen Nutzung entfallen wird.
Allerdings möchten wir den hinteren Teil des Geländes, südlich des Zugangs zum
Kindergarten auf alle Fälle für Pfarreizwecke behalten! So hatten wir es ja
auch bereits in der Infoveranstaltung gesagt. Dieses Gelände wird auch
weiterhin den Pfadfindern zur Verfügung stehen und auch evtl. fürs Pfarrfest
oder St. Martin, etc. genutzt werden können! Diese Aussage war anscheinend bei
einigen der damals anwesenden Personen akustisch nicht angekommen, da später in
der Presse dargestellt wurde, dass das komplette Gelände in Zukunft für die
Pfarrei und ihre Gruppierungen verloren wäre! Hierdurch hat man die
Öffentlichkeit bewusst falsch informiert und Verlustängste in der Gemeinde
geschürt!
Ich möchte alle Gemeindemitglieder, die guten Willens sind, bitten, sich nicht länger den neuen
Herausforderungen zu verschließen, welche zukunftsfähige Gemeindestrukturen an
uns stellen! Hierzu gehören auch Begegnungsmöglichkeiten im Schatten der
Kirche.
Jeder Urberacher weiß, dass viel Herzblut am Gallusheim
hängt und wir werden es ja auch, wenn möglich erhalten, falls es gelingt, es
einer entsprechenden, auf Dauer finanzierbaren Nutzung zuführen, die es uns
eventuell erlaubt, auch Räume bei Bedarf zu nutzen. Aber wir müssen dabei in
die Zukunft schauen und die Notwendigkeiten und auch das Geld im Blick
behalten, das uns in den kommenden Jahrzehnten zur Verfügung stehen wird. Wenn
wir jetzt nicht entsprechend verantwortungsbewusst handeln, werden wir später
keinerlei Spielraum mehr haben, um selbstbestimmt unsere Zukunft zu gestalten!
Denn in einigen Jahren, wenn alle Ressourcen erschöpft sind, werden uns andere
die Entscheidungen aus der Hand nehmen. Spätestens dann käme durch einen
Verkauf, bzw. die Vermarktung von oben das komplette Aus für unser Gallusheim,
wenn nicht noch für viel mehr Dinge, die unserer Pfarrgemeinde am Herzen
liegen!!!
Freundliche Grüße
Klaus Gaebler, Pfr.
Rödermark, 15. Dezember 2008